15.07.2007Backgammon WM 2007

Argentinien und Brasilien im Finale

Von: Michael Strato
Der gestrige Samstag war ein sehr aufregender Tag hier bei der 32. Backgammon-Weltmeisterschaft, prallgefüllt mit Spannung, Emotionen und Dramatik...

...als die verbliebenen vier Halbfinalisten sich anschickten die beiden Spieler zu ermitteln, welche heute im großen Finale um den Titel des Backgammon-Weltmeisters 2007 aufeinander treffen würden.

 

Und am Ende waren es wieder einmal diejenigen, welche wir für die Favoriten gehalten hatten, die aus dem Turnier ausschieden. Und daher heißt das Finale heute Brasilien (Alvaro Salvio) gegen Argentinien (Jorge Pan). Wird also heute abend Samba oder Tango getanzt? Übrigens findet heute auch das Finale der Copa America im Fußball statt - Brasilien gegen Argentinien. Welches Match finden Sie interessanter?

 

Eins der Semi-Finals (jenes zwischen Savio und dem US-Amerikaner Richard Munitz) wurde in einem kleinen Nebenraum gespielt und per Video-Kameras auf zwei große Leinwände im Turniersaal übertragen. Wie im Kino konnten die Zuschauer das Match gemeinsam genießen und Lärm machen wann immer es Ihnen gefiel. Eine der Kameras war über dem Board angebracht, die andere zeigte das Geschehen am Tisch und die Spieler aus der Halbtotalen.

 

 

 

Das andere Halbfinale, zwischen Pan und Jan Jacobowitz aus Berlin, wurde an einem regulären Tisch im Turniersaal gespielt, und wie Sie wahrscheinlich wissen, ziehen wichtige Matches in der Regel sehr viele Zuschauer an, die sich um den Tisch herum aufbauen und eine gute Sicht für alle damit unmöglich machen. Allerdings mögen es viele Zuschauer (und Spieler) so lieber, man sieht die Gesichter der Spieler und kann hautnah die Emotionen nachempfinden sowie die gelegentlichen Aaahs und Ooohs rauslassen, wenn die "unglaublichen" Joker-Würfe passieren.

 

 

 

Richard Munitz und Jan Jacobowitz waren durchgängig ruhig und konzentriert während ihrer Matches, während Alvaro Savio sich regelmäßig lautstark selbst  anfeuerte, vor dem Match und auch in den Pausen. Gelegentlich konnte man ihn sogar singen hören. Bei Jorge Pan war es gemischt - während er am Tisch meist auch sehr ruhig und fokussiert war, lief er in den Pausen aufgeregt umher und rauchte seine Zigarre. Er sagte mir später auf Spanisch, daß in einem sehr spannenden Moment gegen Ende des Matches - er mußte einen entscheidenden Schuß lassen - sein Herz vor Aufregung raste.

 

Es war die letzte Partie des Matches, Pan war beim Bearoff und würfelte 5-3 - Schuß! Jan Jacobowitz, der ein Fünf-Punkte-Board hat, verfehlt den Schuß aber Pan würfelt wieder 5-3 und muss einen weiteren Schuß geben. Diesen trifft Jacobowitz, inzwischen mit Closed Board. Eine äußert knappe Partie also, Pan hat 8 Steine ausgespielt. Während des Bear-Offs muss nun Jan Jacobowitz seinerseits einen Schuß lassen nachdem er drei Steine ausgespielt hat. Dieses Blot trifft Pan und als er auf dem Weg nach Hause noch einen Schuß geben muss, kann Jacobowitz diesen nicht verwerten und Pan ist nicht mehr zu stoppen.

 

Das Halbfinal-Match zwischen Savio und Munitz wurde aufgezeichnet und bereits von Snowie4 analysiert. Sie können es sich bei GammonLife.com in der Sektion "Matches" unter "Tournaments" ansehen. Oder Sie machen es sich bequem und schauen es sich in unserem Matchplayer an. Ein kompletter Durchlauf dauert ca. 45 Minuten. Savio spielte laut Snowie4´s vorläufiger 3ply-Analyse eine 5,5 und Munitz eine 6,1. Das Match beinhaltet einen Haufen sehr interessanter Positionen.

 

 

 

 

Beide Matches dauerten etwa fünf Stunden und waren innerhalb von zehn Minuten beide beendet. Pan war als erster fertig, 23-20 lautete der Endstand. Kurz darauf hatte auch Savio gewonnen, 23-18 gegen Richard Munitz, den Spieler des Jahres 2006 bei der  "American Backgammon Tour" (ABT).

 

Savio und Pan sind übrigens gute Freunde, im Finale wird es wohl oft heißen: "Ich mag Dich wirklich sehr, aber schlagen muss ich dich trotzdem."

 

Bei einem weiteren Highlight der Veranstaltung hier, dem Super-Jackpot, kommt es traditionell zu starken Verspätungen, da die Spieler mit ihren Consolation und Last Chance Matches beschäftigt sind. Oft schon wurde das Finale des Super-Jackpots erst am Montag gespielt. Diesmal jedoch sieht es ganz so aus, als könnte der Super-Jackpot heute noch beendet werden. Gestern nacht um 3:30 Uhr stand Ed O´Laughlin bereits als einer der Finalisten fest. Auf der anderen Seite des Feldes waren noch zwei Resultate ofen, Moazed gegen Rümcker im Viertelfinale und der Gewinner dieses Matches im Semifinale gegen Christoph Wagener. Erster Preis im Super-Jackpot sind 45.000 US-Dollar, der Zweite muss sich mit 20.000 US-Dollar "begnügen".