10.07.2007Turnierreport
Nizza Casino Ruhl Backgammon Open 2007
Davon 25 im „Masters-Flight“, 29 bei den „Champions“ und 28 in der Kategorie „Intermediate“. Die kompletten Draw-Sheets aller Flights sowie des Warm-Ups und der „Sperti Trophy“ finden Sie bei GammonLife.com. Den Warm-Up konnte Masayuki Mochizuki aus Japan für sich entscheiden, der sich im Finale gegen Ed O’Laughlin aus den USA durchsetzte und damit einen Hotelaufenthalt während der 2. „Nizza Casino Ruhl Backgammon Open“ im nächsten Jahr gewann.

Die „Sperti Trophy“ holte sich der Italiener Fabrizio Lo Surdo im Finale gegen Michel Lamote aus Belgien. Er gewann ein wunderschönes Sperti Backgammon-Board im Wert von über 500 €.
Am ersten Abend des Turniers luden Jean-Charles Pitt, der Direktor des Casino Ruhl, und Marco Fornasir, der Generalsekretär der WBF, die Spieler zum Welcome Cocktail ins Casino.
Am 6. Juli begann schließlich das Turnier in allen Klassen. Am ersten Tag wurden drei Runden bis zum Semifinale gespielt. Unter den Ausgeschiedenen im Masters-Flight waren unter anderem die namhaften Engländer Chris Ternel und John Clark, der gefürchtete Turnier-Spezialist Michel Serrero aus Frankreich, der amtierende Europameister „Schmucki“ aus Österreich sowie die prominenten US-Amerikaner Doug Mayfield und Ed O’Laughlin.
Im ersten Semi-Finale behielt der Italiener Fausto Pescini die Oberhand gegen den Weltmeister von 1993, Peter Jes Thomsen aus Dänemark.
Sein Final-Gegner wurde im Duell des Österreichers Wolfgang Haas gegen den Japaner Masayuki Mochizuki , Backgammon-Gigant #28, ermittelt. Dabei konnte sich der junge und sehr starke Spieler aus Fernost behaupten.
Folgende Position aus diesem Match sorgte anschließend für einigen Gesprächsstoff:
17-PUNKTE-MATCH: MOCHY 6
WOLFGANG HAAS 1
Bei einer Führung von 6-1 auf 17 sah sich Mochizuki in dieser Position einem Doppel seines Gegenübers ausgesetzt. Unter anderem Francois Tardieu, Michel Serrero, Uli Koch, John Clark sowie Masayuki Mochizuki selbst, diskutierten engagiert über die Stellung. Einer der Spieler witzelte, er würde die Antwort nach einem „Rollout“ bestehend aus einem Spiel wissen. Ein anderer meinte, es handele sich um ein Borderline-Take. GammonLife-Redakteur Michael Strato sagte, mit vier Steinen auf dem gegnerischen Einer-Punkt und einem fünften Stein in unmittelbarer Gefahr geschlagen zu werden, sei diese Stellung zu gammonträchtig und warum einen Cube nehmen, der Borderline ist? Darauf sagte ein anderer Spieler, wenn man nicht bereit sei ein „Take“ auch zu taken, solle man lieber erst gar kein Backgammon spielen. Es wurde die Frage aufgeworfen: Wenn die Stellung bei diesem Stand ein grenzwertiges Take sei, bei welchem Stand wäre sie dann ein Pass? Nach einem Moment allseitigen Schweigens meinte einer (offensichtlich ein Pass-Befürworter): „Bei 6-1 ;-)“. Ein weiterer Diskussionsteilnehmer schlug vor, die Meinung von Snowie einzuholen. Das taten wir dann auch (siehe Rollout-Ergebnis weiter unten). Allerdings kann ein Computer nur quantitative Analysen bieten und braucht eine Stimme, welche erklärt WARUM ein bestimmtes Spiel richtig oder falsch ist. Darum sind solche Diskussionen, insbesondere mit Spielern die Turnier-Backgammon auf höchstem Niveau spielen, so fruchtbar und lehrreich.
Finale: Masayuki "Mochy" Mochizuki - Fausto Pescini
Das Finale schließlich, ein 19-Punkte Match, war eine äußerst abwechslungsreiche Angelegenheit. Mochizuki alias „Mochy“ übernahm früh die Führung, aber er kämpfte vergeblich darum, diese auch zu behalten. Jedesmal wenn er wieder einige Punkte vorne war, konterte Pescini z.B. mit einem gedoppelten Gammon zum Ausgleich, so etwa beim Stand von 10-6. Doch Mochizuki konnte auch in der Folge immer wieder in Führung gehen. Als er 15-11 führte und auf 2 gedoppelt hatte, sah alles nach einem finalen matchgewinnenden Gammon für den Japaner aus.
Mochy spielte aus, Pescini hatte vier Steine auf dem Einer-Punkt, einen Stein auf der Bar und ein gecrunchtes Drei-Punkte-Board mit zwei toten Steinen. Doch Mochys eigene Würfe zwangen ihn dazu, erst 9 Steine auf dem Dreierpunkt zu stapeln und schließlich einen Schuss zu lassen. Diesen konnte Pescini treffen und Mochizuki legte eine verheerende Tanz-Pause ein. Pescini schloß Mochys Stein aus und doppelte ihn anschließend aus der Partie. Einige Partien später, beim Stand von 16-16, doppelte Mochy auf 2, als er nur noch seinen Midpoint gegen einen Haltepunkt Pescinis auf seinem 10er Punkt klären muss. Zwei Würfe später gelingt ihm dies mit einem 5er-Pasch, er ist daraufhin mit 37 Pips im Rennen vorne und der Gewinn der Partie scheint reine Formsache zu sein. Doch aus Mochys Becher ist anschließend die Luft raus, von seinen verbleibenden zehn Würfen erreicht nur ein einziger den überdurchschnittlichen Wert von 9 Pips. Pescini doppelt ihn schließlich zur 18-16 Crawford-Führung aus der Partie. Dieses Spiel kann der Japaner wieder für sich entscheiden und in der anschließenden Partie doppelt er bei erster Gelegenheit und Pescini akzeptiert das Doppel – Double Match Point. In einer Prime vs. Prime Situation kann der Italiener seinen letzten Stein über die gebrochene Fünfer-Prime des Japaners bewegen. Dieser verfehlt den Doppelschuss auf Pescinis Blot, der daraufhin leichtes Spiel hat, den hintersten Stein Mochizukis zunächst auszuprimen und im weiteren Verlauf auszuschließen und das Match zu gewinnen.
Die zahlreichen Italiener feierten ausgelassen den Triumph ihres Landsmanns. Fausto Pescini, der aus Lodi in der Lombardei stammt, erzählte mir anschließend, daß er sich selbst lediglich als Anfänger einschätzt. Er spielt gelegentlich in Mailänder Backgammon-Clubs und kürzlich auch mal in Rom. Dieses hier war erst sein zweites internationales Turnier – vor zwei Jahren war er beim WBF-Event in Nova Gorica, Slowenien.
Kuriosität Nr.1: Eigentlich wollte Pescini nur in der Champions-Klasse antreten, doch er versuchte ein Quarter-Entry für die Masters-Klasse, welches er auch gewann.
Kuriosität Nr.2: Sein Gegner im Finale des Quarter-Entry war niemand anderes als – Masayuki Mochizuki .
Mochy sagte mir übrigens nach dem Match, daß er Pescinis Selbsteinschätzung nicht teilen kann, sondern ihn für einen sehr ordentlichen Spieler hält, vor allem weil er sich Zeit nehme zum Überlegen und dann sehr solide Züge mache.
Wir gratulieren herzlich diesen beiden hervorragenden Spielern, welche sich während der gesamten Verantaltung als wahre Gentlemen erwiesen haben!
Das komplette Final-Match in unserem Flash-Player:
Alle Ergebnisse der 1st NiZZA Casino Ruhl Backgammon Open:
Masters Division (25)
Main
1. Fausto Pescini - Italien
2. Masayuki Mochizuki -Japan
3./4. Peter Jes Thomsen - Dänemark
3./4. Wolfgang Haas - Österreich
Consolation
1. Giorgio Castellano - Italien
2. Artur Muradian - Armenien
3./4. Douglas Mayfield - USA
3./4. Asbjorn Arntzen – Norwegen
Last Chance
1. Chris Ternel - UK
2. Asbjorn Arntzen - Norwegen
Ladies Prize: nicht vergeben
Champion Division (29)
Main
1. Espen Selbaek - Norwegen
2. Haroutiun Martirosian - Armenien
3./4. Lucas Surmeyan - Österreich
3./4. Gurkan Gucer - Türkei
Consolation
1. Michihito Kageyama - Japan
2. Florin Popa - Rumänien / Italien
3./4. Andrea Sirch - Italien
3./4. Sureyya Sertasi - Türkei
Last Chance
1. Akaki Kikaleishvili - Georgien
2. Sureyya Sertasi - Türkei
Ladies Prize: Jeanne Nanga - Kamerun / Österreich
Intermediate Division (28)
Main
1. Andranik Haroutiunian - Armenien
2. Alberto da Pra - Italien
3./4. Tanja Skanstrom - Dänemark
3./4. Conny Schoch - Schweiz
Consolation
1. Gagik Baxalbashyan - Armenien
2. Lorenzo Reinaldo - Italien
3./4. Cathy Torra - Frankreich
3./4. Alfredo Sperti - Italien
Last Chance
1. Fabio Cappelletti - Italien
2. Cathy Torra - Frankreich
Ladies Prize: Conny Schoh - Schweiz
Ladies Tournament (11)
1. Seda Koc - Turkey
2. Conny Schoch - Switzerland
3./4. Jeanne Nanga - Camerun / Austria
3./4. Tanja Skanstrom - Denmark
Erster Super Jackpot (8)
1. Tassilo Rzymann - Austria
2. Fabrizio Lo Surdo - Italy
Zweiter Super Jackpot (8)
1. Michel Serrero - France
2. Fabrizio Lo Surdo - Italy
Warm-Up (24)
1. Masayuki Mochizuki - Japan
2. Absbjorn Arntzen - Norwegen
Sperti Trophy (29)
1. Fabrizio Lo Surdo - Italien
2. Absbjorn Arntzen - Norwegen
One-Point Match Tournament - President's Tournaments
1. Espen Selbaek - Norwegen
Turnierdirektor: Marco Fornasir - Italien
Turnier-Kommittee: Alberto da Pra (WBF Präsident, Italien); John Clark (UK); Arda Findikoglu (Türkei); Jakob Garal (Ukraine); Götz Hildsberg (Deutschland); Michael Strato Liberopolous (Kanada); Francesco Maruri (Italien); Masayuki Mochizuki (Japan); Artur Muradian (Armenien); Michel Serrero (Frankreich); Peter Jes Thomsen (Dänemark).
...und hier noch die "Meinung" eines Snowie4-Rollouts zu der umstrittenen Stellung (s.o.)

P.S. Mochy akzeptierte das Doppel und verlor ein Backgammon.
CrownsCup
Berlin. Im Frühjahr 2007 traf sich die Elite des Backgammon in Berlin. Beim Crowns Cup spielten sechzehn der renommiertesten und besten Spieler der Welt um die Krone und 250.000 US-Dollar Siegprämie. Das Fernsehen war mit von der Partie. Mit viel Pomp und schön animierten Bilder wurde das Spiel in Szene gesetzt.

